Augencheck im Seniorenheim

Wenn die EVA-O kommt -

Schon der erste Einsatz des Ahauser Teams um dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl im Henricus-Stift zu Südlohn zeigte, dass sich die Teilnahme an der Spezialisierungsqualifikation zur Entlastenden Versorgungsassistentin Ophthalmologie, kurz EVA-O, lohnt.

Bei den EVA-Os handelt es sich um speziell fortgebildete Medizinische Fachangestellte, die sogenannte delegierbare Leistungen eigenständig, jedoch stets unter Verantwortung des Arztes, durchführen dürfen. Hierzu zählt beispielsweise ein allgemeines Augen-Screening.

Mobile Augenpraxis

Rund 30 Senioren wurden an zwei Tagen untersucht und eine arztunterstützende Diagnostik eingeleitet. Hierfür richteten Daniela Bendfeld, Waltraud Robben und Luisa Kemper mit mobilen Geräten wie dem I-Care, einem Handkeratometer, einer Handspaltlampe und einer Funduskamera ein Untersuchungszimmer im Wohnbereich des Seniorenheimes ein. Mit im Gepäck hatten sie zudem einen Brillensteckkasten, eine Visustafel und ein Amsler Gitter. Aktuell befinden sich fünf Mitarbeiterinnen in der durch die Akademie für medizinische Fortbildung der Ärztekammer Westfalen Lippe und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zertifizierten Spezialisierungsqualifikation. Nach den theoretischen Prüfungen, muss jede der zukünftigen EVA-Os noch 20 Patientendokumentationen nachweisen. Die ersten drei EVA-Os werden noch in diesem Jahr ihr Zertifikat erhalten. Zur Qualitätssicherung werden sie nun für weitere sechs Monate bei einem Facharzt in der Augenklinik Ahaus assistieren, um ihre neu erworbenen Fachkenntnisse in der täglichen Praxis unter Anleitung zu vertiefen und anzuwenden.

Pflegebedürftige Senioren erblinden am häufigsten

Ungefähr ein Drittel der untersuchten Heimbewohner des Henricus-Stiftes litten an Augenerkrankungen, die behandelt werden müssen. Diese Anzahl deckt sich mit den Ergebnissen der OVIS Studie (Ophthalmologische Versorgungsforschung in Seniorenheimen) der Stiftung Auge aus dem Jahr 2016. Die Studie besagt, dass pflegebedürftige Senioren am häufigsten von unbehandelten Sehbehinderungen, die bis zur Erblindung führen können, betroffen sind. Die flächendeckende augenärztliche Versorgung in Deutschland gelänge oft nicht zu den Menschen in Pflege- und Seniorenheimen.

Versorgung vor Ort

Viele Bewohner in Senioren- und Altenheimen sind nicht mobil. Besuche beim Augenarzt sind für Angehörige und Pflegende mit hohem Zeit- und Organisationsaufwand verbunden. Ein regelmäßiger Augencheck bleibt deshalb oft auf der Strecke. Dabei ist gutes Sehen gerade in diesem Lebensstadium besonders wichtig. Stürze mit fatalen Folgen sind sehr häufig Resultat schlechten Sehens. „Dieser Situation wollten wir etwas entgegensetzen“, erklärt dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl. „Mit der Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiter zu Entlastenden Versorgungsassistenten Ophthalmologie kann ich nun viele zeitintensive Aufgaben delegieren und weiß, dass diese auf qualitativ hohem Niveau ausgeführt werden. Anders als im normalen Praxisalltag haben unsere EVA-Os die Möglichkeit sich ohne Zeitdruck den Senioren widmen zu können“.

Alle Seiten profitieren

Die Vorteile für alle Beteiligten sind offensichtlich. Der Unterversorgung von Menschen in Heimen wird effektvoll entgegengewirkt. Die Heimbewohner erhalten eine qualifizierte, zeitnahe und engmaschige Betreuung. Dr. med. Florian Kretz, Leiter der Augentagesklinik Rheine (FEBO) begründet den Nutzen für die Kliniken so: “Die EVA-Os profitieren durch das neue höherqualifizierte Tätigkeitsspektrum, was wiederum zu einer größeren Zufriedenheit bei der Arbeit führt und für mich als Arzt liegt der Mehrwert vor allem in der Entlastung“.

Ärztemangel mit neuen Lösungen effektiv begegnen

Als langfristiges Ziel sieht dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl den Aufbau und die Stärkung eines „Mittelbaus“ durch leistungsstarke und kompetente Fachkräfte. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und zeitgleichem Fachärztemangels, stellt die Etablierung eines qualifizierten „Mittelbaus“ durch den verstärkten Einsatz von EVA-Os, eine realisierbare Lösung dar. „Die Stärkung der Rolle der Medizinischen Fachangestellten in der ambulanten Versorgung ist erklärtes Ziel von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Mit der Nicht-ärztlichen Praxisassistentin sowohl im hausärztlichen wie auch im fachärztlichen Bereich (NäPa bzw. EVA) werden Voraussetzungen dafür geschaffen, Ärztinnen und Ärzte im Rahmen delegierbarer Tätigkeit qualifiziert zu entlasten. Mit besonders geschulten MFA ist eine bestmögliche Patientenversorgung unter Arztvorbehalt in ärztlicher Verantwortung aus einer Hand möglich“, ist sich Elisabeth Borg, Leiterin des Ressorts Fortbildung der Ärztekammer Westfalen Lippe, sicher.

Bewohner und Heimleitung begeistert

Die Senioren in den Heimen und das Pflegepersonal waren auf jeden Fall nach dem ersten Einsatz der EVA-Os vollends zufrieden. „Die Mitarbeiterinnen der Augenklinik Ahaus haben ein sehr gutes Händchen im Umgang mit unseren Bewohnern bewiesen“, lobt Heimleiter Jochen Albers das Team und ergänzt anerkennend: „Sie haben sich unseren Senioren und Seniorinnen gegenüber sehr offen und zugewandt gezeigt und wir haben deutlich gespürt, dass hier ganz ohne Zeitdruck gearbeitet werden konnte“. Der erste Einsatz wurde von dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl persönlich begleitet. Gerl resümiert mit einem Augenzwinkern: „Eigentlich war meine Anwesenheit überflüssig. Meine Mitarbeiterinnen haben nicht nur ein hervorragendes theoretisches und praktisches Fachwissen, sie haben auch ein besonders sensibles Händchen für die Senioren.“ Zukünftig wird der Kontakt und die Abstimmung zwischen dem Praxisinhaber und den Mitarbeitern/innen durch moderne digitale Kommunikationsmedien sichergestellt. Die nächsten Einsätze sind bereits in Planung.

zurück
nach oben

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren Sie unter Datenschutz.

Informationen zum Corona-Virus

Sehr geehrter Patient, sehr geehrte Patientin,
unsere Aufgabe als Gesundheitsdienstleister ist es, die Versorgung unserer Patienten sicherzustellen und dafür Sorge zu tragen, dass wir weiterhin umfänglich für Sie da sein können. Zur Verhinderung einer Virusausbreitung setzen wir spezielle Maßnahmen um, die mögliche Infektionsketten unterbrechen. Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst und beachten hierzu alle Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts im Sinne einer erweiterten Hygiene zum Schutz vor dem Virus.

mehr lesen