Áptera – Zisternen aus römischer Zeit

Áptera ist eine antike Stadt nicht weit von Chania im Norden von Westkreta. Archäologen fanden hier Überreste aus minoischer, dorischer, hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit. Áptera war ein minoischer Stadtstaat und wurde bald wichtigste Handelsstadt Kretas. Auch für die Römer, die Kreta ab 67 nach Christus besetzten, spielte die Stadt eine wichtige Rolle. Die beiden monumentalen Zisternen sind herausragende Werke ihrer Architekten. Das Bild zeigt das Innere einer dieser Zisternen.

Die Zisternen von Áptera – Meisterhafte Wasserspeicher

Eine antike Straße, dorische und hellenistische Tempel, ein römisches Theater, zwei große Zisternen, das angebundene römische Bad - all dies und mehr legten Archäologen in jahrelanger Arbeit im westkretischen Áptera frei. Hier befindet sich auch ein byzantinisches Kloster, das bis 1964 betrieben wurde.

Manche der Bauten sind Teile eines antiken Infrastrukturprogramms. Die Römer starteten es mit der Besetzung von Kreta im Jahre 67 n. Chr. Sie legten ein ausgedehntes Straßennetz an, bauten die Stadt Górtis zu Kretas Hauptstadt aus und nutzten die fruchtbare Messará-Ebene intensiv zum Getreideanbau. Áptera war eine wichtige römische Handelsstadt und hier lässt sich betrachten, wie in dieser Zeit Städte und Bewohner der trockener Mittelmeer-Gegenden mit Wasser versorgt wurden. Das Leuchtbild zeigt das innere der dreischiffigen Zisternen, im Bild unten sieht man deren Gewölbe und vorn die Überreste des römischen Bads.

6.000.000 Liter Regenwasser

Diese dreischiffige und eine weitere große L-förmige Zisterne nahebei sind fast gleich groß. Sie wurden über ein ausgedehntes Tonröhrensystem von den Dächern der umgebenden Gebäude mit Regenwasser gespeist. Das nahe römische Bad und die Thermen von Áptera wurden aus den großen Zisternen versorgt. Fünf weitere kleine Zisternen von rund 10.000 Liter Inhalt wurden außerdem freigelegt. Die großen Zisternen fassen zusammen 6.000.000 Liter Wasser. Das ist ungefähr der Inhalt zweier Olympia-Schwimmbecken und derzeit der tägliche Wasserverbrauch der Stadt Ahaus. Die Bewohner von Áptera konnten sich einen derart hohen Wasserbedarf jedoch nicht leisten. Um eine der Zisternen zu füllen, so schätzen Wissenschaftler, waren sechs starke Regenfälle nötig. In der Zeit zwischen April und Oktober fallen Kreta monatlich nicht annähernd soviel Regen.

Andreas Angelkakis hat zur Geschichte Wasserbau auf Kreta geforscht. Er erwähnt Zisternen aus minoischer Zeit von ungefähr 100.000 Litern, die über Kanäle mit Wasser gespeist wurden und eine Zisterne von 1.000.000 Litern aus dem kretischen Eleuthera bekannt. Angelkakis ist voller Bewunderung, was die Römer auf der vorhandenen Wasserversorgung aufbauten und welche Hygienestandards und Funktionalität die Zisternen und Aquaedukte erreichten. In Europa und Nordamerika seien erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergleichbare Bauten und Systeme entstanden.

Quellen

  • Angelkakis, Andreas N. (2013): Evolution of rainwater harvesting and use in Crete, Hellas through the millenia. Proceedings of the 13th International Conference on Environmental Science and Technology Athens, Greece, 5-7 September 2013.
  • Fohrer, Eberhard (2006): Kreta. Michael Müller Verlag GmbH. ISBN 3-89953-303-8
  • Mays, Larry; Antoniou, George P.; Angelakis, Andreas N. (2013): History of Water Cisterns: Legacies and Lessons. Water 2013, 5, S. 1916-1940.
  • ITIA Research Team (2012): Datenbank-Eintrag Aptera cistern. www.itia.ntua.gr/ahw/work/126/
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