Wattenmeer bei Spiekeroog

Das Foto entstand im Watt nahe der ostfriesischen Insel Spiekeroog bei Niedrigwasser. Sechs Stunden später ist hier Land unter. Das Wasser steht dann rund drei Meter hoch. Von hier nach Norden blickt der Wattwanderer auf die offene Nordsee. Zwischen der Südseite von Spiekeroog un der Küste bei Neuharlingersiel liegen sieben Kilometer.

Die ostfriesischen Inseln sind wie Perlen vor Ostfriesland aufgereiht und bilden eine Barriere, die Binnenwatt und Küste vor starkem Wellengang schützt (s. Satellitenbild). Spiekeroog ist die zweiite große Insel von rechts. Die Vielfalt der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt steht unter Schutz im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.


Wie das Wattenmeer entstand

Spiekeroog ist eine Insel aus Sand und auch das Watt ist ein sandiger Lebensraum. Seit Jahrmillionen hebt sich der Küstenbereich Millimeter für Millimeter, der vorgelagerte Meeresboden senkt sich ab. Der durch die Gletscher der letzten beiden Eiszeiten aufgemahlene Sand haben die Flüsse schichtweise in ihren Mündungsbereichen abgelagert.
Strömung und Seegang transportieren den Sand auf die Küste zu, der Wind weht ihn zu hohen Dünen auf. Dann durchwurzeln Gräser wie die Strandquecke und später Heidepflanzen den Stand und stabilisieren so die Inseln.
Auch die Struktur des Watts selbst ist von Meeresströmungen geprägt. Sie graben zwischen den Inseln tiefe schiffbare Rinnen. Ein Geäst von niedrigen Prielen und tieferen Baljen durchziehen die Sandflächen des Watts. Die Sandflächen selbst sind teils bei Flut gänzlich unter Wasser, teils ragen Sandbänke heraus.

Ein Lebensraum der Extreme

Sechs Stunden über Wasser, der prallen Sonne ausgesetzt, sechs Stunden unter Meerwasser und wieder von vorn – das Watt ist ein Lebensraum der Extreme. Dennoch lebt hier eine lebendige Vielfalt. Vier der Wattbewohner werden hier näher vorgestellt.

Diatomeen oder Kieselalgen. Die mikroskopisch kleinen Algen sind oft nur 40 Mikrometer groß, also 40 Tausendstel eines Millimeters. Ihre Glaspanzer sind filigran durchlöchert. Ansammlungen der Diatomeen bilden größere bräunliche Flecken auf dem Wattsand. Ein Gebiet groß wie ein Fingernagel enthält mehr als eine halbe Millionen Kieselalgen. Sie bilden im Watt die Basis des Nahrungsnetzes.

Wattwürmer sind die Regenwürmer des Watts. Sie sind bis zu dreißig Zentimeter lang. Am hinteren Ende ihrer Gänge finden sich die in Schlingen gelegten Kotsandhaufen, daneben ein einfallender Trichter. In der U-förmigen Röhre darunter lebt der Wattwurm. Er nimmt nährstoffreichen Sand aus dem Trichter auf und stößt verdauten Sand am anderen Ende aus. Nach und nach schichten Wattwürmer so das Watt um.

Austernfischer begegnen Besuchern der Inseln in großen lauten Scharen. Sie haben einen weißen Bauch. Flügeloberseite, Hals, Kopf und Rücken sind schwarz. Auffällig sind der lange rote Schnabel und die roten Beinen. Sie leben von Krebsen, Muscheln, Schnecken und Würmern. Austernfischer mit verdicktem „Hammer“-Schnabel stochern damit die Schalen von Mies- und Herzmuscheln auf. Austernfischer mit schlankem „Stich“-Schnabel trennen mit gezieltem Hieb den Schließmuskel der Muscheln auf und öffnen sie so.

Seehunde nutzen Sandbänke im Watt als Kinderstube. Den Winter verbringen sie auf hoher See. Ab Mai bringt eine Seehund-Dame höchstens ein Junges zur Welt. Kurz nach der Geburt schwimmen die Mütter zum Fischfang mehrere Tage auf die offene See, um ihren auf den Sandbänken wartenden „Heulern“ genug Milch geben zu können. Bei der Jagd auf Fische unter Wasser schwimmt ein Seehund bis zu 35 km/h schnell und taucht bis zu 20 Minuten lang. Die Zahl der Seehunde im Watt hat lange Jahre unter Gift im Meer und Krankheiten gelitten. Inzwischen wächst sie wieder an.

Quellen

  • Kremer, Bruno P. (2012): Erlebnis Küste. Quelle & Meyer.
  • Janke, Klaus; Kremer, Bruno P. (2003): Das Watt. Kosmos.

Bilderhinweise

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