Kreta – Górtis (Gortyna)

© dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl

Die Stadt Górtis gibt es als solche nicht mehr, doch an fast 50 Ausgrabungsstätten ist hier kretische Geschichte offengelegt, und das schon seit langem. 1884 begann der italienische Archäologe Professor Federico Halbherr hier jahrzehntelange Grabungen. Er fand architektonische Überbleibsel aus dorischer, römischer und byzantinischer Zeit, wunderschöne Mosaike und Mamorstatuen. Was das Forum Romanum für das Römische Reich ist, das ist Gortis für das nach-minoische Kreta.

Überreste von mehr als 1000 Jahren Stadtgeschichte

Das Ruinengelände der antiken Stadt Górtis liegt inmitten von Olivenhainen in der Messara-Ebene im südlichen Zentralkreta. Die Stadt wurde durch die Dorer (1100 – 480 v. Chr.) stark ausgebaut, geht jedoch noch weiter zurück. Aus dorischer Zeit ist eine große Wand mit eingemeißelten Gesetzen erhalten. Die Römer (auf Kreta zwischen 67 vor und 330 nach Chr.) bauten Górtis weiter aus. Von hier regierten sie Kreta und auch Kyrenaika, das heutige Libyen. Sie bauten in Górtis Theater, Thermen und Tempelanlagen. Die Archäologen legten auch römische Mamorstatuen frei. Nach Zerfall des Römischen Reiches fiel Kreta dem dem oströmischen Teil zu. Ab 330 n. Chr. herrschten hier die Byzantiner. In byzantinischer Zeit, im 6. Jahrhundert n. Chr., wurde in Gortis die Titusbasilika (s. Leuchtbild) errichtet. Durch ein Erdbeben 670 n. Chr. wurde Górtis und die Basilika zerstört. 824 n. Chr. überfielen die Sarazenen Kreta und besetzten es 135 Jahre. Sie zerstörten die Titusbasilika weiter. In der Zeit der Sarazenen verlor Górtis vollends an Bedeutung.

Stadtrecht in Stein gehauen

Eine zehn Meter breite und 2 Meter hohe Wand, in einem alten dorischen Dialekt beschriftet (hier ein Auschnitt), ist heute Teil des römischen Theaters. Die Römer haben sie als Schmuck recycelt. Sie stammt aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Die Inschriften, mit ihren 17.000 Buchstaben würden sie heute vielleicht 5 A4-Seiten füllen, waren für alle zugängliche Gesetze der Stadt und wahrscheinlich auch des Umlands. Die Texte widmen sich beispielsweise der Bestrafung von Beleidigungen, den Rechten von Sklaven und Freien, dem Scheidungs- und Erbrecht und dem Wasserrecht. Sie sind eingemeißelt „wie ein Ochse pflügt“, zuerst von links nach rechts, dann in Spiegelschrift von rechts nach links. Interessant ist unter anderem der Nachweis von Bewässerungsanlagen zu dieser Zeit. Eines der Gesetze befielt nämlich den Erbauern von Bewässerungsgräben, nur so viel Wasser zu entnehmen, dass der Wasserspiegel des Flusses nicht unter die Markierung an der Brücke am Marktplatz sinkt.

Basilika Ágios Titos

Die Basilika des Heiligen Titus (Ágios Titos) enstand auf den Grundmauern einer noch älteren Kirche. Sie ist umgeben von Gebäuden, die ebenfalls religiösen Zwecken dienten. Erhalten sind die östliche Kreuzkuppel und die zwei Nebenapsiden (s. Leuchtbild), außerdem konnten wunderschöne Mosaiken mit bunten, geometrischen Mustern rekonstruiert werden. Die ganze Basilika war eindrucksvolle 33 Meter breit und 67 Meter lang. An der Bruchstelle sichtbar sind die nahtlos aneinandergefügte Blöcke der Decke. Die Steinblöcke sind unten verjüngt und halten sich gegenseitig ohne Mörtel. Der Namensgeber Titus, wurde nach der Überlieferung vom Apostel Paulus gegen 65 n.Chr. zur Missionierung von Kreta eingesetzt. Er war schnell erfolgreich und konnte Kreta komplett christianisieren. Paulus‘ Briefe an Titus finden sich in der Bibel (Titus 1 und 2). Der Apostel schätzte die Kreter als recht wiederborstig ein.

Links

 Quellen

  • Fohrer, Eberhard (2006): Kreta. Michael Müller Verlag GmbH. ISBN 3-89953-303-8
  • Prieto, Alberto (2005): Landscape Organization in Magna Graecia. Dissertation, University of Texas at Austin.


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